Inhaltsverzeichnis: 

 

  • Erweiterung der Sourcing-Möglichkeiten für die B2B-Beschaffung 
  • Welche B2B-Sektoren profitieren am meisten vom EU-Australien-Handelsabkommen? 
  • Zollsenkungen und Einsparungen in der Beschaffung 
  • Stärkere Resilienz der Lieferketten für B2B-Unternehmen 
  • Beschaffungsmöglichkeiten im Agrar- und Lebensmittelsektor für B2B 

 

Erweiterung der Sourcing-Möglichkeiten für die B2B-Beschaffung 

Schon vor dem Abkommen war der Handel zwischen der EU und Australien stark, aber es gab noch Hürden. 

2023 lag der Warenhandel bei rund 56 Milliarden Euro, mit 36 Milliarden Euro Exporten aus der EU und 20 Milliarden Euro Importen. Dienstleistungen brachten zusätzlich etwa 30 Milliarden Euro pro Jahr, vor allem in Finanz- und digitalen Bereichen. 

Trotzdem machten Zölle und unterschiedliche Regeln den Einkauf schwieriger, erhöhten die Kosten und schränkten den Zugang zu Märkten für B2B-Unternehmen ein. 

Das Freihandelsabkommen (FTA) zwischen der EU und Australien soll das Sourcing für B2B-Unternehmen erleichtern, indem es den Marktzugang verbessert, Handelsbarrieren abbaut und die Lieferketten stärkt. 

Da globale Lieferketten weiterhin instabil sind, bietet das Abkommen europäischen Einkäufern neue Sourcing-Optionen und öffnet gleichzeitig den australischen Markt für EU-Lieferanten. 

Einer der größten Vorteile ist der Zugang zu Australiens großem Vorkommen an Aluminium, Lithium und Mangan. Diese Rohstoffe sind entscheidend für Industrien im Bereich Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien. 

Die Nachfrage nach diesen Ressourcen ist schnell gestiegen, doch EU-Unternehmen haben häufig Schwierigkeiten, stabile Lieferungen zu sichern, da die Produktion innerhalb Europas begrenzt ist. 

Dies hat viele Unternehmen anfällig für Störungen in der Lieferkette gemacht. Das Abkommen trägt dazu bei, dieses Risiko zu verringern, indem es die Bedingungen für das Sourcing verbessert und langfristige Liefervereinbarungen stärkt. 

„Die EU und Australien mögen geografisch weit voneinander entfernt sein, doch in unserer Sicht auf die Welt könnten wir kaum näher sein“, sagt Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission. 

Das Abkommen enthält außerdem Nachhaltigkeitsvorgaben für die Produktion dieser Rohstoffe. Dies unterstützt die Einhaltung von ESG-Kriterien und vereinfacht die Lieferantenprüfung für Beschaffungsteams. 

Gleichzeitig wird erwartet, dass Investitionen in Australien um bis zu 87% steigen, insbesondere in wichtigen Sektoren der Lieferkette. 

Für EU-Unternehmen entstehen dadurch Chancen, stärkere Lieferantenbeziehungen aufzubauen oder gemeinsame Projekte in Produktion und Distribution zu entwickeln. 

 

Welche B2B-Sektoren profitieren am meisten vom EU-Australien-Handelsabkommen? 

Während das Abkommen branchenübergreifend Chancen schafft, sind bestimmte B2B-Sektoren besonders gut positioniert, um von verbessertem Marktzugang, reduzierten Handelsbarrieren und einer stärkeren Integration der Lieferketten zu profitieren. 

 

  • Industrielle Fertigung und Automobil-Industrie 
    • Einfacherer Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium und Aluminium  
    • Unterstützt strategisches Sourcing und reduziert Störungen in der Lieferkette 
    • Wichtiger Vorteil für Elektrofahrzeuge und industrielle Produktion  

 

  • Energie und erneuerbare Energien 
    • Verbesserte Beschaffung von Materialien für Batterien und saubere Technologien  
    • Stärkt nachhaltige Sourcing-Strategien  
    • Unterstützt die Einhaltung von ESG-Anforderungen  

 

  • Agrar- und Lebensmittel-Industrie 
    • Wegfall von Zöllen erhöht die Wettbewerbsfähigkeit und senkt Kosten  
    • Erweitert Lieferantenoptionen entlang globaler Lieferketten  
    • Fördert eine stärkere Diversifizierung von Lieferanten  

 

  • Chemie und industrielle Materialien 
    • Höheres Exportpotenzial durch geringere Handelsbarrieren  
    • Stabilere Sourcing-Bedingungen  
    • Ermöglicht Einsparungen in der Beschaffung und Kostensenkungen  

 

  • Dienstleistungs- und Digitalsektoren 
    • Wachstum in der Beschaffung von Finanzdienstleistungen und Telekommunikation  
    • Erleichterte Datenflüsse unterstützen digitale Beschaffung und Cloud-Procurement  
    • Treibt Innovationen in der Beschaffung über Regionen hinweg voran  

 

  • KMU und spezialisierte Anbieter 
    • Besserer Zugang zu internationalen Märkten  
    • Mehr Chancen für kleinere, innovative Lieferanten  
    • Verbessert die Lieferantendiversifizierung und Flexibilität in der Beschaffungsstrategie  

Das Abkommen wurde geschaffen, um den Handel zwischen der EU und Australien zu stärken und die Abhängigkeit von anderen Märkten zu verringern. Beide Seiten streben stabilere Lieferketten, besseren Marktzugang und einen einfacheren Zugang zu wichtigen Ressourcen an. Gleichzeitig hilft es, aufzunehmende geopolitische Unsicherheiten zu reagieren. 

Mit der Ausweitung sektorenspezifischer Chancen können strukturierte RFQ-Prozesse Beschaffungsteams dabei unterstützen, schneller die passenden Lieferanten zu identifizieren und Sourcing-Entscheidungen besser mit den Anforderungen an Lieferketten und Risikomanagement abzustimmen. 

 

Zollsenkungen reduzieren Kosten in der B2B-Beschaffung 

Das Abkommen hebt über 99% der Zölle auf EU-Exporte nach Australien auf und könnte jährliche Einsparungen in der Beschaffung von rund 1 Milliarde Euro ermöglichen. 

Internationales Sourcing wird kosteneffizienter, mit verbesserten Preisgestaltungsmöglichkeiten. Der Handel zwischen der EU und Australien dürfte wachsen, wobei die Exporte um bis zu 33% steigen und jährlich etwa 17,7 Milliarden Euro erreichen könnten. 

Einige Sektoren werden stärker profitieren als andere. Die Milchwirtschaft könnte um 48% wachsen, der Automobilsektor um 52% und die Chemieindustrie um 20%. Dies schafft neue Chancen für europäische Lieferanten. 

„Wir erzählen eine wichtige Geschichte in einer Welt, die sich tiefgreifend verändert. Eine Welt, in der große Mächte Zölle als Druckmittel einsetzen und Lieferketten als Schwachstelle nutzen. In unserer Geschichte sorgt offener, regelbasierter Handel für positive Ergebnisse für alle. Vertrauen zählt mehr als Transaktionen“, sagt Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission. 

Das Abkommen öffnet zudem den australischen Markt für EU-Dienstleister, insbesondere in der Beschaffung von Finanzdienstleistungen und im Telekommunikationsbereich. Dies erweitert die Lieferantenoptionen und verbessert die Servicebereitstellung in der Asien-Pazifik-Region. 

EU-Unternehmen könnten außerdem leichter Zugang zu öffentlichen Aufträgen in Australien erhalten, was den Marktzugang weiter verbessert. Neue Regeln für den Datenfluss erleichtern die Nutzung von digitaler Beschaffung und Cloud-Procurement. 

Auch kleine und mittlere Unternehmen profitieren, da ihnen der Eintritt in internationale Märkte erleichtert wird. Dies bedeutet Zugang zu innovativeren Lieferanten und ein höheres Potenzial für Innovationen in der Beschaffung. 

 

Stärkere Resilienz der Lieferketten für B2B-Unternehmen 

Nach acht Jahren Verhandlungen wird erwartet, dass das Abkommen eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung von Beschaffungsstrategien und strategischem Sourcing spielt. Es beeinflusst, wie Unternehmen Materialien beschaffen, Lieferanten identifizieren und Supply Chain & Risk managen, insbesondere da geopolitische Spannungen weiterhin zu Störungen in den Lieferketten führen. 

In den letzten Jahren standen viele B2B-Unternehmen vor demselben Problem: Eine zu starke Abhängigkeit von einer einzelnen Region schafft Risiken. Das EU-Australien-Abkommen trägt dazu bei, dieses Problem zu lösen, indem es stärker diversifizierte Lieferketten unterstützt und Beschaffungsteams mehr Flexibilität bietet. 

Die Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft verbessert zudem die Koordination im Krisenmanagement und im Umgang mit Sicherheitsrisiken. Obwohl sie auf den Verteidigungsbereich ausgerichtet ist, trägt sie auch dazu bei, ein stabileres Umfeld für den globalen Handel zu schaffen. 

Eine bessere Zusammenarbeit im Bereich der maritimen Sicherheit und der Cybersicherheit könnte Störungen reduzieren und zu zuverlässigeren Schifffahrtsrouten sowie niedrigeren Versicherungskosten führen. 

Das Abkommen fördert außerdem neue Technologien im Bereich Digital & Innovation, einschließlich künstlicher Intelligenz. Für Beschaffungsteams bedeutet dies ein verbessertes Lieferantenmanagement, eine optimierte Nachfrageplanung und eine effizientere Überwachung von Verträgen. 

 

Beschaffungsmöglichkeiten im Agrar- und Lebensmittelsektor für B2B 

Das Abkommen stärkt zudem den Agrar- und Lebensmittelsektor, indem es Qualitätsstandards und Produktauthentizität im Handel zwischen der EU und Australien festigt. 

Für Unternehmen im Foodservice und Einzelhandel bedeutete Sourcing bislang oft, Kosten, Qualität und Vertrauen in Einklang zu bringen. Das EU-Australien-Abkommen erleichtert dies durch klarere Garantien hinsichtlich Herkunft, Rückverfolgbarkeit und Produktionsmethoden. 

Der Schutz geografischer Angaben stellt sicher, dass Produkte strenge Qualitäts- und Authentizitätsstandards erfüllen. Dies hilft Beschaffungsteams, Lieferanten mit größerem Vertrauen auszuwählen und den Ruf ihrer Marke zu schützen. 

Gleichzeitig unterstützt die Angleichung an EU-Vorschriften zu Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit und Arbeitsstandards die Einhaltung von ESG-Kriterien und vereinfacht die Lieferantenprüfung. Dadurch wird es leichter, Qualität und Compliance in internationalen Lieferketten zu steuern. 

 

Fazit 

Für viele B2B-Unternehmen verändern sich Einkauf und Lieferketten bereits. Das EU-Australien-Handelsabkommen hilft dabei, weil es den Zugang zu neuen Märkten erleichtert, Kosten senkt und mehr Lieferanten verfügbar macht. 

Da die weltweiten Bedingungen unsicherer werden, setzen Unternehmen stärker auf stabile und digitale Beschaffungsstrategien. Strategisches Sourcing und digitale Tools machen Prozesse effizienter, verringern Probleme in der Lieferkette und unterstützen ESG-Ziele. 

In Zukunft steht das Abkommen für einen klaren Trend: mehr Vielfalt bei Lieferanten und mehr Einsatz von Technologie im Einkauf. Unternehmen, die früh reagieren, sind besser auf die wachsende Komplexität im globalen Markt vorbereitet. 

Lesen Sie mehr über Beschaffungstrends, globale Sourcing-Strategien und europäische Lieferantennetzwerke auf Inside Business, dem B2B-Blog von wer liefert was.